Vielfaltsdesign

Es wird häufig die Frage gestellt, was der Begriff „Design für Alle” bezeichnet (Definition siehe unten*), wie er sich 1. von dem des „Universaldesign” / „Universal Design” unterscheidet und 2. vom „Anstreben einer Barrierefreiheit” in Design-, Planungs- und Umsetzungsprozessen.

Wir überlegen seitens der Akademie für Gestaltung die Bestimmung eines neuen Begriffs: „Vielfaltsdesign”**.

Die Bezeichnung „Vielfaltsdesign” hätte die Eigenschaft, von vornherein vielfältige Nutzungen und unterschiedliche Nutzer zu adressieren. Ältere, behinderte und kulturell unterschiedliche Menschen wären nicht nur ‚mit’-gemeint, und sie wären auch nicht unausgesprochen als eigentliche Zielgruppe im Fokus. Ebenfalls müssten ‚andere’ Menschen nicht in einer Nachträglicheit integriert oder inkludiert werden.

Es gäbe keine primäre oder Mainstream-Zielgruppe – und entsprechende Nutzer und Menschen.

Als Gestaltungsansatz könnte „Vielfaltsdesign” den des „Individualdesign” ergänzen:
„Individualdesign” erfüllt die Anforderungen von Einzellösungen für spezifische Kontexte, einzelne Kunden und Unikate. Im Handwerk sind diese Anforderungen weit verbreitet.

Vielfaltsdesign bedient – in Ergänzung und Weiterführung eines handwerklichen Individualdesign-Ansatzes – die Anforderungen vielfältigen Gebrauchs durch unterschiedliche Nutzer. Es steht damit in einem Gegensatz zu einem Design für exklusive – das heißt: andere ausschließende – Zielgruppen und Nutzungen.

Fazit: Design für Alle ist in einem wörtlichen Verständnis sicher utopisch. Die Bezeichnung Vielfaltsdesign könnte den Sinn und Anspruch eines pragmatisch verstandenen Designs für Alle neu prägen.

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* „Design für Alle ist nicht nur eine Philosophie, sondern umschreibt auch einen Gestaltungsprozess, der darauf abzielt, eine barrierefreie Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für möglichst alle Menschen zu erreichen. Das bedeutet, dass die gebaute Umwelt, Produkte und Dienstleistungen so gestaltet sein sollen, dass sie sicher, gesund, funktional, leicht verständlich und ästhetisch sowohl anspruchsvoll als auch nachhaltig sind und daher die menschliche Vielfalt berücksichtigen und sich nicht diskriminierend auswirken."
(Quelle: Von Barrierefreiheit zum Design für Alle – Erfahrungen aus Forschung und Praxis, Hrsg.: Rüdiger Leidner, Peter Neumann, Markus Rebstock, Arbeitsberichte Heft 38 der Arbeitsgemeinschaft Angewandte Geographie Münster e.V., Münster 2007, Vorwort der Herausgeber, S. 2)

** Im Englischen gibt es eine sehr ähnliche, aber wenig gebräuchliche Bezeichnungen: „diversity design” oder „diversity in design”. Gegenüber „diversity design” ist „inclusive design” (www.inclusivedesigntoolkit.com / www.designcouncil.org/ ) häufiger gebraucht, liegt sprachlich aber wieder näher bei „design for all” („Design für Alle”), weil spezielle, mehrere bis hin zu alle Nutzungsansprüche inbegriffen werden sollen. 

Links zum Konzept Design für Alle:
www.nullbarriere.de/design-fuer-alle.htm  
www.design-fuer-alle.de/ 
www.de.wikipedia.org/wiki/Universal_Design 
www.de.wikipedia.org/wiki/Design_für_Alle

 

 

Designtag NRW 2007 in Essen, Zeche Zollverein: Projektpartner Dr. Peter Neumann (www.neumann-consult.com) auf dem Podium und Screen.